SEM – Seidl Eck München
München Pasing
Auftraggeber: Koblin & Seidl GmbH & Co. KG
Leistung: Außenanlagen im Erdgeschoss sowie auf den Dachflächen
Umfang Freianlagen:
Außenanlagen Erdgeschossflächen: 2551 m²
Außenanlagen Dachflächen: 1783 m²
Arbeitsstand Freianlagen: Werkplanung
(gerenderte Grafiken entsprechen dem Arbeitsstand des Vorentwurfs)
Städtebaulicher Kontext
Das „Seidl-Eck“ bildet den südwestlichen Auftakt eines neu entwickelten Wohnquartiers zwischen der Paul-Gerhardt-Allee, den Bahngleisen und dem Schlosspark Nymphenburg. Als Wohn- und Geschäftshaus übernimmt es eine prägnante Rolle im stadträumlichen Gefüge und vermittelt zwischen den großmaßstäblichen Grünräumen und der dichten Wohnbebauung. Die Kombination aus Wohnen und Gewerbe schafft die Grundlage für einen lebendigen, urbanen Freiraum mit hoher Aufenthaltsqualität.
Freiraumkonzept
Die Freiräume im Erdgeschoss gliedern sich in einen großzügigen, öffentlich geprägten Platz im Norden und einen ruhigeren, introvertierten Bereich im Süden. Der nördliche Platz nimmt die Struktur der umliegenden Grünräume auf und wird durch eine hainartige Baumpflanzung geprägt. Organisch geformte Vegetationsinseln aus Rasen- und Staudenflächen sind in eine wassergebundene Belagsfläche eingebettet und schaffen differenzierte Aufenthalts- und Bewegungsräume. Die stärker befestigten Randbereiche bieten Platz für Gastronomie, Feuerwehr und Anlieferung.
Der südliche Platz folgt denselben Gestaltungsprinzipien, ist jedoch stärker auf die Bewohner ausgerichtet. Eingebettet in Stauden- und Strauchpflanzungen entstehen hier geschützte Rückzugsorte für Anwohner sowie eine thematisch einzigartige Spielfläche:
Besonderheit des Spielplatzes: Das Herzstück bildet eine Spielgerätelandschaft, die als „ausgeleerte Werkzeugkiste“ gestaltet ist. Die Spielfläche nimmt einen starken Bezug zur Geschichte der Bauherrschaft als Werkzeughersteller auf. Das physische Modell dazu wurde vom Spielgerätehersteller Heiner Hofmann (projekt spielart) gefertigt, um spielerisch Identität und Historie des Ortes zu verknüpfen.
Vegetation und Baumbestand
Die Pflanzplanung legt besonderen Wert auf standortgerechte, überwiegend heimische Arten und eine hohe ökologische Qualität. Der Versiegelungsgrad wird auf ein notwendiges Minimum reduziert, um ausreichend Wurzelraum und Versickerungsflächen zu gewährleisten. Nicht unterbaute Bereiche ermöglichen die Entwicklung großkroniger Bäume und bieten zugleich Potenzial für die Integration bzw. Verpflanzung ausgewählter Bestandsbäume. Der Erhalt zweier Bestandsbäume durch eine Interimspflanzung wurde im engen Austausch mit den zuständigen Behörden geprüft und in Zusammenarbeit mit der Firma Opitz entlang der südlich gelegenen Hildachstraße nur wenige Meter entfernt vom Baugrundstück realisiert.
Dachlandschaft
Die Dachflächen werden als differenzierte Freiräume ausgebildet. Intensiv genutzte Dachterrassen bieten klar gefasste Aufenthaltsbereiche für die Bewohner und werden durch Pflanzbänder mit Sträuchern und Stauden gegliedert. Ergänzend dazu entstehen extensive Begrünungen, die zur ökologischen Qualität und zur Retention beitragen. Aufgrund begrenzter Aufbauhöhen werden intensive Pflanzbereiche punktuell durch Aufkantungen ermöglicht, die zugleich räumliche Struktur und Privatheit schaffen.
Regenwassermanagement
Das Entwässerungskonzept basiert auf dem Prinzip der Anstaudächer. Sämtliche Dachflächen werden als Retentionsdächer mit Wasseranstau ausgebildet, die Niederschlagswasser speichern, verzögert abgeben und für die Vegetation nutzbar machen. Die Verdunstung aus den begrünten Flächen trägt zur Verbesserung des Mikroklimas bei. Überschüssiges Wasser wird gedrosselt abgeführt oder in Rigolen geleitet. Das System reduziert den technischen Aufwand der Entwässerung und schafft gleichzeitig zusätzliche Wurzelräume für die Bepflanzung.
Materialität und Ausstattung
Die Freiflächen im Erdgeschoss werden durch eine klare, ruhige Belagsgestaltung aus Betonwerkstein geprägt. Wassergebundene Decken und Rasenfugenpflaster ergänzen das Spektrum und unterstützen die Versickerungsfähigkeit. Auf den Dachterrassen kommen offenfugige Beläge zum Einsatz, die den geringen Aufbauhöhen und den Anforderungen an die Entwässerung gerecht werden.
Die Ausstattung folgt einem robusten und integrativen Ansatz. Sitzmöbel, Fahrradabstellanlagen und Elemente wie Rankstrukturen für Fassadenbegrünung sind funktional und gestalterisch in das Gesamtkonzept eingebunden. Gastronomische Nutzungen werden durch flexible Sonnenschutzelemente ergänzt.